Generative künstliche Intelligenz entwirft DNA-Sequenzen zum Ein- und Ausschalten von Genen

Einführung

In unserem Genom befinden sich winzige Sequenzen mit immenser Macht, benachbarte Gene zu steuern. Diese sogenannten cis-regulatorischen Elemente (CREs) können benachbarte Gene an- oder abschalten. Forscher der Yale School of Medicine, des Jackson Laboratory und des Broad Institute des MIT und der Harvard University haben kürzlich eine neue Methode entwickelt, um generative künstliche Intelligenz neue regulatorische Elemente zu entwickeln, die die Expression von Genen in Zellen präzise steuern.

Die Bedeutung cis-regulatorischer Elemente

CREs spielen eine entscheidende Rolle bei der Regulierung der Genexpression. Als molekulare Schalter bestimmen sie, ob ein Gen in einem bestimmten Zelltyp aktiviert oder stummgeschaltet wird. Diese Spezifität ist für das reibungslose Funktionieren von Organismen unerlässlich und stellt sicher, dass Gene nur dort und dann exprimiert werden, wo sie benötigt werden. Das Verständnis und die Manipulation dieser Elemente haben erhebliche Auswirkungen auf Biologie und Medizin, insbesondere auf gezielte Gentherapien.

CODA-Plattformentwicklung

Die neue künstliche Intelligenzplattform namens Computational Optimization of DNA Activity (CODA) nutzt Deep Learning, um neuartige DNA-Sequenzen zu generieren, die als synthetische CREs fungieren. Ähnlich wie bekannte Tools wie DALL-E und ChatGPT wird CODA anhand großer Datensätze natürlicher regulatorischer Elemente trainiert und kann so Sequenzen erstellen, die Gene in bestimmten Zelltypen effektiv an- oder abschalten. „Dieses Projekt fragt im Wesentlichen: ‚Können wir lernen, den Code für diese regulatorischen Elemente zu lesen und zu schreiben?‘“, erklärt Dr. Steven Reilly, Assistenzprofessor für Genetik am YSM und einer der Hauptautoren der Studie.

Mögliche Anwendungen in der Gentherapie

Die Kontrolle der Genexpression in bestimmten Zelltypen könnte Gentherapien eines Tages deutlich verbessern. Diese Therapien haben das Potenzial, krankheitsverursachende Mutationen zu überwinden, es bedarf jedoch effektiverer Methoden, um die Behandlung direkt an die betroffenen Zellen zu bringen. Beispielsweise können bestimmte Neuronen, die bei Parkinson versagen, oder Immunzellen, die HIV beherbergen, gezielt angegriffen werden. Die CODA-Plattform könnte dazu beitragen, Gentherapien gezielter auf erkrankte Zellen auszurichten und so Nebenwirkungen in gesunden Körperteilen zu vermeiden.

Vielversprechende Ergebnisse und zukünftige Richtungen

Die Forscher testeten die von der KI entwickelten regulatorischen Elemente an im Labor gezüchteten Blut-, Leber- und Gehirnzellen und stellten fest, dass die synthetischen Elemente in vielen Fällen zelltypspezifischer waren als bekannte natürliche Sequenzen. Nachfolgende Tests an lebenden Zebrafischen und Mäusen zeigten, dass diese Sequenzen auch Testgene in bestimmten Zelltypen der Tiere aktivierten. In einem Fall aktivierte ein künstlich hergestelltes regulatorisches Element ein Reportergen nur in einer ganz bestimmten Zellschicht im Gehirn der Maus, obwohl es im gesamten Körper des Tieres verteilt war.

Fazit

Die Fähigkeit, DNA-Sequenzen zu entwickeln, die die Genexpression mit hoher Präzision steuern, eröffnet neue Horizonte in der biomedizinischen Forschung. Die CODA-Plattform stellt einen bedeutenden Fortschritt dar, da sie künstliche Intelligenz und Molekularbiologie kombiniert, um Werkzeuge zu schaffen, die die Genexpression auf beispiellose Weise modulieren. „Die Evolution hat vielleicht nie beabsichtigt, einen wichtigen Treiber für ein Alzheimer-Medikament zu entwickeln, aber das heißt nicht, dass es ihn nicht geben kann“, sagt Reilly. In zukünftigen Studien planen die Forscher, den Einsatz von CODA auszuweiten, um gezielte Gentherapien für eine Vielzahl genetischer Erkrankungen zu entwickeln und so möglicherweise die durch die natürliche Evolution bedingten Einschränkungen zu überwinden.

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